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20 Jahre kunstform (2008 - 2011): Der erste richtige Laden in der Heilbronner Straße

Ende 2007 hatte Flo gesagt, er macht es, und damit hatte kunstform zum ersten Mal eigene Räume: Raum 0.44 in der Heilbronner Straße 7, der alten Bahndirektion am Hauptbahnhof, damals das Gründerzentrum H7. Wie es dazu kam, steht in der vorigen Geschichte. Viel war das noch nicht: ein kleiner Raum als Lager, dazu ein Büro. Lange blieb es dabei aber nicht: Es kam mehr Ware, und immer mehr Fahrer sind nach Stuttgart gezogen.

Johnny

Einer von ihnen war John Krämer, für alle nur Johnny. Wie Fuhre und Raiko kommt er aus Eberswalde, und nach Stuttgart hatte ihn der Zivildienst gebracht. Wir sind zusammen gefahren, haben zusammen rumgehangen, und nach der Session ging es meistens noch rüber in den Shop, weil immer irgendwas zu tun war. Aus dem "kurz mit anpacken" wurde mit der Zeit ein fester Job an den Paketen, und ohne Johnny wäre in den Jahren einiges liegen geblieben.

Dazu ist er definitiv einer der besten BMX Flatland Fahrer Deutschlands. Sein Edit vom Juli 2010 zeigt, wie er damals gefahren ist. Zieh dir die letzte Kombo rein.

November 2008: ein Laden in einer Nacht

Im selben Gebäude gab es eine kleine Shopping Mall, in der unter anderem der legendäre Thirdrail Graffiti Shop von Patrick war, die Haarfiliale von Filly und s-t-g-t von Mario Ringhofer. Wir alle hatten dort unsere kleinen Läden, und der Vibe war super. Als vorne ein Raum frei wurde, lag es auf der Hand, ihn zum Laden zu machen. Gebaut haben wir ihn in einer einzigen Nacht: Johnny, Ente, Flo und Moritz haben durchgearbeitet, den kompletten Raum gestrichen und den Boden reingelegt. Am 17. November 2008 hat kunstform zum ersten Mal mit Öffnungszeiten aufgemacht.

Mit dem Laden bekam Johnny auch seinen Platz: Er hat bei uns die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel angefangen und den Laden von da an gemacht, Beratung, Verkauf, Lager, Reparaturen.

Wohnen im Lager, Fahren im H7

Was der Laden in den ersten Jahren abgeworfen hat, hat zum Leben nicht gereicht. Fuhre hat deshalb fast drei Jahre im Lager gewohnt, oben auf dem Regal, darunter lagen die Teile. Zum Duschen gab es einen Vertrag im Fitnessstudio um die Ecke. Ab 2008 war er Vollzeit dabei und hat den Onlineshop weitergebaut, das Studium ist seitdem pausiert. Seppl hat in derselben Zeit bei einer Online-Marketing-Agentur angefangen, Kampagnen und Analytics, und saß nach der Arbeit nachts noch am Rechner für kunstform.

Gefahren wurde trotzdem, und zwar im Haus: Im H7 hatten wir einen Secret Spot, eine Fläche, auf der man fahren konnte, und auf der wir auch die eine oder andere Party gemacht haben, mit DJ und hunderten von Leuten. Und wenn es kleiner war, stand der Kicker im Lager. Ein kurzer Clip von 2009 zeigt, wie das aussah.

Und weil aus der One-Man-Show inzwischen eine kleine richtige Firma mit Angestellten geworden war, gab es Ende 2009 auch die erste Weihnachtsfeier. Irgendwann in dieser Zeit bekam die Mailorder-Abteilung ihr eigenes Büro.

2009: Der Onlineshop geht Street

Bis dahin war kunstform ein reiner Flatland-Shop. Im März 2009 kam Street und Park dazu, mit einem neuen Onlineshop und zwei neuen Teamfahrern, Chris Metzger und Tobi Schumacher aus Sindelfingen, in der News von damals "die Speerspitze unserer Streetarmada". Wenig später kam Sebastian Balk von der BMX Bande Crew ins Team, und ab 2010 hat Basti auch im Shop gearbeitet und die Produkttexte geschrieben.

So sah der Onlineshop dann aus, an dem nachts gebaut wurde, hier im Jahr 2011: links und rechts die Flügel mit dem Schriftzug BMX MAILORDER, in der Mitte die Neuheiten.

Jeden Sommer: BMX Masters in Köln

Jeden Sommer ging es nach Köln auf die BMX Masters, mit einem Stand, in dem faktisch der halbe Laden steckte. Wie so ein Wochenende ausgeht, sieht man am besten auf dem Bild vom Abbau: alles wieder rein in den gemieteten LKW, und das Gelände sieht aus, wie es eben aussieht.

Dezember 2010: BMX in der Boost-Halle

Einer der wichtigsten Nachbarn im H7 war der Boost e.V. Der Skateverein saß ein paar Türen weiter und betrieb die Boost Skatehalle in Bad Cannstatt, damals eine reine Skateboard-Halle. Wir wollten da rein. Also haben wir 2010 die Stuttgarter BMX-Szene befragt, wie groß der Bedarf an einer Halle wirklich ist, und sind mit dem Ergebnis am 8. Dezember zur Vereinsversammlung gegangen. Die Skater haben mitgezogen: erst mal vier Wochen Testphase, ein BMX-Nachmittag pro Woche.

Der erste war am 16. Dezember 2010, von 17 bis 20 Uhr nur für BMX. Es kamen so viele, dass wir selbst nicht damit gerechnet hatten, und ab Februar 2011 war der BMX-Tag fest, jeden Donnerstag. Was da entstanden ist, hat die Szene in Stuttgart geprägt: Aus dem Donnerstag in der Boost-Halle ist der BMX-Donnerstag geworden, den es heute im Stuttpark gibt, und aus den Sessions dort sind über die Jahre viele weitere Events, Jams, Contests und Workshops gewachsen. Wie die Halle damals aussah, zeigt der Trailer von Marian Hofmann.

Videopremieren, Tag der offenen Tür und drei Jahre Laden

Mit dem Laden fingen wir an, in den eigenen Räumen Events zu machen, und das Treppenhaus der Bahndirektion war dafür wie gemacht. Im Mai 2010 lief dort die Videopremiere von Animal "Cut", das Publikum saß auf den Stufen, im Oktober folgte die von OSS "Football". Im Oktober 2011 hatten wir bei den Unternehmertagen im H7 einen Tag der offenen Tür, Fuhre und Johnny sind eine kleine Show gefahren, und für die Locals gab es einen Bunnyhop-Contest. Mit dabei war ein gewisser Wendelin Mok, zu dem wir später noch kommen. Und am 20. November 2011 haben wir drei Jahre Laden gefeiert, mit Kuchen in Form einer Drei.

Das Büro mit der Fahrfläche

Zurück ins H7. Im Dezember 2010, in derselben Woche wie der erste BMX-Tag in der Boost-Halle, haben wir uns noch einen Wunsch erfüllt: ein größeres Büro, und in das Büro eine Fläche aus OSB-Platten, auf der man fahren konnte. Verlegt haben wir sie selbst. Arbeiten und Flatland fahren im selben Raum, mit Sessions nach Feierabend und Besuch, der einfach vorbeikam. Wie das aussah, ist gut dokumentiert: Eine Buchhaltungssoftware hat dort einen Werbespot gedreht, und aus dem Material ist eine kleine Office-Session mit Flo und Fuhre geworden.

Rauswurf zwischen Weihnachten und Silvester

Lange hatten wir davon nichts. Das H7 war von Anfang an eine Zwischennutzung, und dass wir wegen der Stuttgart-21-Baustelle irgendwann ausziehen müssen, war klar. Dass es dann innerhalb von ein, zwei Wochen geht, nicht.

Der Mietvertrag wurde gekündigt, und zwischen Weihnachten und Silvester 2011 mussten wir raus, mit der kompletten Ware und ohne neue Location. In der Eingangshalle liefen an dem Tag Vorträge, und wir mussten unseren Kram mittendurch tragen. Die Leute haben sich beschwert. Wir konnten nicht anders, wir mussten an dem Tag raus.

Im H7 saßen rund 80 Firmen, dazu Clubs wie das Rocker 33, und die mussten alle sofort raus, weil der Teilabriss und die Untertunnelung für Stuttgart 21 anstanden. Das ging damals durch die Medien. Der denkmalgeschützte Altbau steht bis heute, direkt neben dem Hauptbahnhof, seit dem Auszug leer. Seppl hat dem Büro zum Abschied ein Video gewidmet:

Wo wir gelandet sind, steht in der nächsten Geschichte: Kriegsbergstraße, der zweite Laden und das erste eigene Schaufenster. Wie sich diese Jahre angefühlt haben, erzählen Seppl, Flo, Johnny und die anderen in unserer Doku zum 20-jährigen Jubiläum selbst.

Viele Grüße & Ride on
Dein kunstform BMX Shop Team


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